Gülle-Monovergärung bedeutet, dass eine Biogasanlage ausschließlich Gülle vergärt, teils ergänzt um Festmist, aber ohne energiereiche Kofermente wie Mais oder Grassilage. Der wichtigste Nutzen liegt im Klimaschutz: Das Methan, das sonst unkontrolliert aus dem Güllelager entweicht, wird im Fermenter aufgefangen und im BHKW zu Strom und Wärme. Dem stehen ein geringer Gasertrag je Kubikmeter und hohe Kosten je Kilowatt gegenüber. Rechtlich ist die Monovergärung ein Sonderfall der Gülle-Kleinanlage nach § 44 EEG.
Was reine Güllevergärung von anderen Biogasanlagen unterscheidet
Die meisten Biogasanlagen in Deutschland setzen eine Mischung aus Wirtschaftsdüngern und nachwachsenden Rohstoffen ein. Mais- oder Grassilage liefern pro Tonne ein Vielfaches des Gasertrags von Gülle und machen die Anlagen leistungsstark. Bei der Monovergärung fällt dieser Baustein weg. Das hat Folgen für die Technik:
- Einfacher Eintrag: Flüssige Gülle wird gepumpt. Ein Feststoffeintrag ist nur nötig, wenn Festmist mitvergoren wird.
- Großes Volumen: Weil Gülle überwiegend aus Wasser besteht, muss der Fermenter im Verhältnis zur Leistung groß sein.
- Kurze Wege: Ideal ist ein direkter Zulauf aus dem Stall, damit die Gülle frisch in den Fermenter gelangt.
Technisch kommt es bei Mono-Gülleanlagen auf einige Details an. Der Fermenter wird in der Regel beheizt, damit die Mikroorganismen gleichmäßig arbeiten. Rindergülle bringt oft Sand und Einstreureste mit, die sich am Boden absetzen oder Schwimmschichten bilden. Gute Rührtechnik und eine Möglichkeit, Sedimente zu entfernen, verlängern die Zeit zwischen Reinigungen. Weil Gülle viel Schwefel enthalten kann, braucht das Biogas außerdem eine Entschwefelung, bevor es ins BHKW geht. Fragen Sie Anbieter gezielt nach diesen Punkten und nach Referenzanlagen, die schon mehrere Jahre mit reiner Gülle laufen.
Emissionsminderung: Methan aus dem Güllelager
In offenen oder nicht gasdicht abgedeckten Güllelagern bauen Mikroorganismen organische Substanz ab, dabei entsteht Methan. Dieses Gas ist ein starkes Treibhausgas und entweicht ohne Vergärung in die Luft. Bei der Monovergärung läuft dieser Abbau gezielt im geschlossenen Fermenter ab. Das Methan wird aufgefangen und verbrannt, der Strom ersetzt zusätzlich Strom aus anderen Quellen.
Damit der Klimaeffekt tatsächlich eintritt, kommt es auf drei Punkte an:
- Frische Gülle: Je kürzer die Gülle vor der Vergärung lagert, desto weniger Methan entsteht vorab.
- Gasdichte Nachgärung oder Lagerung: Auch der Gärrest bildet noch Gas. Ein gasdicht abgedecktes Gärrestlager fängt dieses Restgas auf.
- Dichte Anlage: Undichtigkeiten an Folienhauben, Ventilen oder Überdrucksicherungen können den Vorteil schmälern. Regelmäßige Lecksuche gehört deshalb zum Betrieb.
Für den Klimaeffekt zählt am Ende die Bilanz über die gesamte Kette, vom Stall über Fermenter und Lager bis zur Ausbringung. Eine dichte, gut betriebene Anlage schneidet dabei deutlich besser ab als eine Anlage mit offenem Gärrestlager oder häufigem Abfackeln.
Beim Ammoniak ist Vorsicht geboten: Vergorene Gülle enthält mehr Ammonium und hat einen höheren pH-Wert. Abgedeckte Lager und bodennahe Ausbringung sind daher wichtig, um Stickstoffverluste zu vermeiden. Mehr dazu im Ratgeber zur Düngung mit Gärrest.
Vorteile und Nachteile im Überblick
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Nutzung eines Reststoffs, der ohnehin anfällt | geringer Gasertrag je Kubikmeter Gülle |
| keine Anbaufläche für Energiepflanzen nötig | großes Fermentervolumen je Kilowatt |
| Minderung von Methanemissionen aus dem Lager | hohe Investition je Kilowatt |
| einfachere Eintragstechnik ohne Silage | volle Abhängigkeit vom eigenen Tierbestand |
| homogener, gut fließfähiger Gärrest | Gasertrag sinkt bei Weidegang oder Bestandsabbau |
| oft geringere Geruchsbelastung bei der Ausbringung | Sand und Fremdstoffe können sich im Fermenter absetzen |
Gerade die Abhängigkeit vom Tierbestand sollten Sie ehrlich bewerten. Wer im Sommer Weidegang betreibt, hat in diesen Monaten weniger Gülle im Stall und damit weniger Gas. Ein BHKW, das dann nur in Teillast läuft, arbeitet weniger effizient.
Verhältnis zur Gülle-Kleinanlage
Die Gülle-Kleinanlage nach § 44 EEG verlangt im Jahresschnitt mindestens 80 Masseprozent Gülle. Bis zu 20 Prozent dürfen andere Stoffe sein. Die Monovergärung schöpft diesen Spielraum nicht aus und setzt praktisch nur Gülle ein. Sie erfüllt damit die Gülleregel sicher, verzichtet aber auf den Leistungsgewinn durch Kofermente.
In der Praxis wählen viele Betriebe einen Mittelweg: überwiegend Gülle, dazu kleine Mengen Futterreste, Festmist oder Kleegras, um die Gasproduktion zu stabilisieren. Reine Monovergärungsanlagen sind dagegen oft kleiner dimensioniert und passen zu Betrieben, die Gülle verwerten, aber keine zusätzlichen Flächen für Energiepflanzen binden wollen. Für die Vergütung gelten in beiden Fällen dieselben Regeln nach § 44 EEG.
Wirtschaftliche Einordnung
Die Wirtschaftlichkeit einer Monovergärungsanlage hängt stärker als bei Anlagen mit Kofermenten an den Investitionskosten. Die Rohstoffkosten sind niedrig, weil die Gülle ohnehin anfällt. Dafür liefert jeder Kubikmeter Fermentervolumen wenig Gas, und die Kosten je Kilowatt sind hoch. Positiv wirken sich vorhandene Behälter, eine gute Wärmenutzung und eine hohe, gleichmäßige Auslastung des BHKW aus. Ein realistischer Kostenrahmen steht im Ratgeber Kosten einer Biogasanlage.
Blick in die Niederlande
Auch in den Niederlanden ist die Vergärung von reiner Gülle ein Thema. Dort spricht man von „monomestvergisting“. Kleine Hofanlagen können dort über das staatliche Förderprogramm SDE++ unterstützt werden, das erneuerbare Energie und Emissionsminderung fördert. Die Bedingungen unterscheiden sich deutlich vom deutschen EEG und ändern sich regelmäßig. Für Anlagen in Deutschland ist allein das deutsche Recht maßgeblich.
Für wen sich die Monovergärung eignet
Gut geeignet sind Betriebe mit großem, ganzjährig im Stall gehaltenem Tierbestand, kurzen Wegen vom Stall zum Fermenter und einem Wärmebedarf am Hof. Weniger geeignet sind Betriebe mit starkem Weidegang, stark schwankendem Bestand oder sehr großer Entfernung zwischen Ställen. Auch die Gülleart spielt eine Rolle: Rinder- und Schweinegülle unterscheiden sich in Trockensubstanz, Gasertrag und Fremdstoffen, und selbst innerhalb einer Tierart schwanken die Werte je nach Fütterung und Wassereintrag. Eine Analyse Ihrer Gülle vor der Planung schafft hier Klarheit. Eine erste Einschätzung mit Ihren Güllemengen liefert der Biogas-Rechner. Anbieter, die reine Gülleanlagen bauen, finden Sie im Verzeichnis für Biogasanlagenbau.
Häufige Fragen
Ist eine reine Gülleanlage wirtschaftlich?
Das hängt stark vom Tierbestand, von vorhandenen Lagern und von der Wärmenutzung ab. Weil Gülle wenig Gas je Kubikmeter liefert, sind die Kosten je Kilowatt hoch. Rechnen Sie Ihren Fall mit eigenen Güllemengen durch, bevor Sie Angebote einholen.
Warum sollte die Gülle möglichst frisch in den Fermenter?
Schon im Stall und im Lager beginnt die Methanbildung. Gas, das dort entsteht, geht für die Anlage verloren und belastet das Klima. Frische Gülle liefert mehr Biogas und senkt gleichzeitig die Emissionen.
Kann ich später Kofermente zugeben?
Technisch ist das möglich, wenn ein Feststoffeintrag nachgerüstet werden kann. Für die Vergütung nach § 44 EEG müssen Sie dann weiter mindestens 80 Masseprozent Gülle im Jahresschnitt einhalten. Klären Sie zudem, ob die Genehmigung andere Einsatzstoffe abdeckt.
Steigen durch die Vergärung die Ammoniakemissionen?
Vergorene Gülle enthält mehr Ammonium und hat meist einen höheren pH-Wert. Ohne Gegenmaßnahmen kann deshalb bei Lagerung und Ausbringung mehr Ammoniak entweichen. Abgedeckte Lager und bodennahe Ausbringung wirken dem entgegen.
Wie viel Strom und Erlös bringt Ihr Tierbestand? Rechnen Sie es mit offenen Annahmen durch.
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