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Wärmenutzung bei Biogas: Stall, Trocknung, Nahwärme

Stand: 19. Oktober 2026

Die Wärme eines Biogas-BHKW lässt sich am besten direkt auf dem Hof nutzen: für Wohnhaus und Altenteil, Stall und Melkhaus, Warmwasser und Trocknung. Darüber hinaus kann ein Nahwärmenetz Nachbarn, Schulen oder Gewerbebetriebe versorgen und zusätzliche Erlöse bringen. Jede genutzte Kilowattstunde ersetzt Heizöl, Gas oder Holz und verbessert die Wirtschaftlichkeit der Anlage. Entscheidend sind eine ehrliche Wärmebilanz über das ganze Jahr, kurze Leitungen und klare Verträge.

Wie viel Wärme zur Verfügung steht

Ein Gasmotor-BHKW wandelt einen Teil der Energie des Biogases in Strom und einen ähnlich großen oder etwas größeren Teil in nutzbare Wärme um. Diese Wärme wird aus Motorkühlwasser und Abgas gewonnen, meist auf einem Temperaturniveau von rund 80 bis 90 Grad.

Ein Teil der Wärme wird für die Beheizung des Fermenters gebraucht, damit die Bakterien bei konstanter Temperatur arbeiten. Der Bedarf schwankt stark mit der Jahreszeit, der Gülletemperatur und der Dämmung. Im Winter ist er hoch, im Sommer gering. Genau umgekehrt verläuft der Heizbedarf von Wohnhäusern. Für die Planung brauchen Sie deshalb keine Jahressumme, sondern eine Wärmebilanz Monat für Monat.

Ein Beispiel zur Größenordnung: Eine Anlage mit 75 kW Bemessungsleistung erzeugt rund 657.000 kWh Strom im Jahr. Liefert das BHKW etwa ebenso viel Wärme, stehen nach Abzug der Fermenterheizung mehrere hunderttausend Kilowattstunden für andere Zwecke zur Verfügung. Wie viel davon tatsächlich genutzt wird, entscheidet über den Beitrag zur Wirtschaftlichkeit.

Eine belastbare Wärmebilanz entsteht in fünf Schritten:

  1. Die Wärmeerzeugung des BHKW aus dem Datenblatt und den geplanten Betriebsstunden je Monat ermitteln.
  2. Den Wärmebedarf des Fermenters je Monat abschätzen lassen, abhängig von Gülletemperatur, Durchsatz und Dämmung.
  3. Alle möglichen Abnehmer mit ihrem Verbrauch der letzten Jahre erfassen, zum Beispiel aus Heizöl- oder Gasrechnungen.
  4. Erzeugung und Bedarf Monat für Monat gegenüberstellen, einschließlich der Verluste in Leitungen.
  5. Prüfen, in welchen Monaten Wärme fehlt und wie diese Lücke gedeckt wird, etwa über einen vorhandenen Kessel.

Die Bilanz zeigt schnell, ob sich ein zusätzlicher Abnehmer mit Sommerbedarf lohnt oder ob ein Wärmespeicher Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abstimmen kann.

Nutzung auf dem eigenen Hof

Die Nutzung im eigenen Betrieb ist meist am wirtschaftlichsten, weil die Wege kurz sind und kein Vertrag mit Dritten nötig ist. Typische Abnehmer sind:

  • Wohnhaus und Altenteil: Heizung und Warmwasser, oft über eine kurze erdverlegte Leitung.
  • Ferkelaufzucht und Geflügel: Wärmebedarf über das ganze Jahr, besonders gut geeignet.
  • Milchviehbetrieb: Warmwasser für Melkanlage und Reinigung, Kälbertränke, Melkhaus.
  • Werkstatt und Büro: Raumwärme in der Heizperiode.

Prüfen Sie, welche Abnehmer auch im Sommer Wärme brauchen. Ein ganzjähriger Bedarf passt besser zum gleichmäßigen Betrieb einer Gülleanlage als reine Raumheizung.

Trocknung als Sommerverwertung

Trocknung nutzt Wärme gerade dann, wenn Heizbedarf fehlt. Verbreitet sind:

  1. Getreide- und Maistrocknung: saisonal, aber mit hohem Bedarf in kurzer Zeit.
  2. Holz- und Hackschnitzeltrocknung: über Belüftungsböden oder Container, auch als Dienstleistung für andere.
  3. Gärresttrocknung: verringert Volumen und Transportkosten, setzt aber Ammoniak frei, das mit einer Abluftreinigung behandelt werden muss.

Trocknungsanlagen lohnen sich, wenn das getrocknete Produkt einen echten Mehrwert hat oder Kosten spart. Eine Trocknung nur zur Wärmevernichtung bringt keinen wirtschaftlichen Nutzen.

Nahwärmenetz für Nachbarn

Ein Nahwärmenetz kann die Wärme ganzjährig verkaufen und die Akzeptanz der Anlage im Dorf erhöhen. Die Wirtschaftlichkeit hängt vor allem davon ab, wie viel Wärme je Meter Leitung abgenommen wird. Lange Leitungen zu wenigen Abnehmern verursachen hohe Kosten und Wärmeverluste. Je dichter die Bebauung und je höher der Wärmebedarf der Gebäude, desto besser.

Für ein Netz brauchen Sie in der Regel:

  • einen Wärmespeicher, der Erzeugung und Verbrauch zeitlich entkoppelt
  • einen Spitzenlast- und Reservekessel für kalte Tage, Wartungen und Störungen
  • Übergabestationen bei den Kunden mit Wärmemengenzählern
  • eine Trassenplanung mit Genehmigungen und Wegerechten

Eine Machbarkeitsstudie lässt sich über die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) fördern, kleinere Netze mit wenigen Gebäuden über die Bundesförderung für effiziente Gebäude. Mehr dazu im Ratgeber zur Förderung. Bedenken Sie außerdem, dass die EEG-Förderung nach 20 Jahren endet. Ein Wärmenetz braucht deshalb einen Plan für die Zeit danach, siehe Ratgeber Biogas nach dem EEG.

Ein häufiger Weg ist die Gründung einer eigenen Betreibergesellschaft oder einer Energiegenossenschaft, an der sich Abnehmer beteiligen können. Das verteilt Investition und Risiko und stärkt den Rückhalt im Ort. Bei kleinen Netzen mit wenigen Nachbarhäusern genügt oft ein direkter Vertrag zwischen Hof und Abnehmern.

Viele Gemeinden erstellen derzeit ihre kommunale Wärmeplanung. Fragen Sie bei Ihrer Gemeinde nach, ob Ihr Hof als Wärmequelle für ein Gebiet in Frage kommt.

Wärmeerlöse und Wärmeverträge

Der Wärmepreis orientiert sich meist an den Vollkosten, die ein Kunde mit einer eigenen Heizung hätte, abzüglich eines Abschlags, der den Wechsel attraktiv macht. Üblich sind drei Preisbestandteile:

Bestandteil Inhalt
Anschlussbeitrag einmalig, deckt einen Teil der Kosten für Leitung und Übergabestation
Grundpreis jährlich, je Anschluss oder je Kilowatt Anschlussleistung
Arbeitspreis je gelieferter Kilowattstunde laut Wärmemengenzähler

Liefern Sie mit standardisierten Verträgen an Haushalte, gilt die AVBFernwärmeV. Sie regelt unter anderem Laufzeiten, Kündigung und Informationspflichten. Preisänderungsklauseln müssen sowohl die Kostenentwicklung bei der Wärmeerzeugung als auch die Verhältnisse am Wärmemarkt angemessen berücksichtigen und transparent sein.

Regeln Sie im Vertrag außerdem Versorgungssicherheit, Reservewärme, Haftung bei Ausfällen, Eigentum an Leitungen und Stationen sowie die Folgen eines Betreiberwechsels oder des Förderendes. Die steuerliche Einordnung der Wärmelieferung sollten Sie vorab mit Ihrer Steuerberatung klären.

Technik und Betrieb

Damit die Wärmenutzung zuverlässig funktioniert, brauchen BHKW, Speicher und Netz eine abgestimmte Regelung. Notkühler am BHKW führen überschüssige Wärme ab, dürfen aber nicht zum Dauerbetrieb werden. Wärmemengenzähler an allen Abgängen zeigen, wo Wärme tatsächlich genutzt wird, und sind die Grundlage für Abrechnung und Optimierung.

Achten Sie auf niedrige Rücklauftemperaturen. Je kälter das Wasser zum BHKW zurückkommt, desto mehr Wärme lässt sich aus Motor und Abgas gewinnen und desto geringer sind die Verluste im Netz. Ein hydraulischer Abgleich der angeschlossenen Heizungen und gut eingestellte Übergabestationen bringen hier oft mit wenig Aufwand spürbare Verbesserungen.

Wenn die Anlage künftig flexibel Strom erzeugen soll, wird ein größerer Wärmespeicher wichtig, weil das BHKW dann nicht mehr gleichmäßig läuft. Fachbetriebe für BHKW-Service und Wärmetechnik finden Sie im Verzeichnis unter Service und Wartung. Wie sich die Wärme in Ihrer Rechnung niederschlägt, können Sie im Biogas-Rechner prüfen.

Häufige Fragen

Wie viel Wärme bleibt bei einer Gülle-Kleinanlage übrig?

Das hängt von BHKW, Fermenterdämmung und Jahreszeit ab. Im Winter braucht der Fermenter deutlich mehr Wärme als im Sommer. Als grobe Orientierung steht oft mehr als die Hälfte der BHKW-Wärme für andere Zwecke zur Verfügung, im Sommer mehr, im Winter weniger. Lassen Sie eine Wärmebilanz über das Jahr erstellen.

Welcher Preis ist für Biogaswärme üblich?

Einen einheitlichen Marktpreis gibt es nicht. Üblich ist, den Preis so zu gestalten, dass Kunden günstiger fahren als mit einer eigenen Öl-, Gas- oder Pelletheizung, und ihn über eine Preisänderungsklausel an Kostenentwicklungen zu koppeln. Hinzu kommen oft ein Anschlussbeitrag und ein Grundpreis.

Brauche ich einen Reservekessel für ein Nahwärmenetz?

In der Praxis ja. Das BHKW fällt für Wartungen und Störungen aus, und im Winter reicht die Wärme oft nicht für alle Kunden. Ein Spitzenlast- und Reservekessel sowie ein Wärmespeicher sichern die Versorgung.

Gelten für Wärmeverträge besondere Regeln?

Wenn Sie Wärme mit standardisierten Verträgen an Haushalte liefern, gilt die Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV). Sie regelt unter anderem Laufzeiten, Preisänderungsklauseln und Informationspflichten.

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