Eine Hofbiogasanlage, vor allem eine Gülle-Kleinanlage nach § 44 EEG, kann wirtschaftlich sein, wenn genug Gülle für eine hohe Auslastung vorhanden ist, die Investition im Rahmen bleibt und die Wärme sinnvoll genutzt wird. Bei 75 kW Bemessungsleistung bringt die EEG-Vergütung rechnerisch rund 141.000 Euro Stromerlös im Jahr. Ob davon nach Kapitaldienst, Wartung, Eigenstrom und Arbeitszeit ein Überschuss bleibt, entscheidet sich an wenigen Stellschrauben. Mit dem Biogas-Rechner können Sie Ihre eigenen Zahlen durchspielen.
Erlöse aus Strom
Die Stromerlöse ergeben sich aus der Bemessungsleistung und dem anzulegenden Wert. Die Bemessungsleistung ist die Jahresstrommenge geteilt durch die Stunden des Kalenderjahres. Eine Anlage, die 657.000 kWh im Jahr erzeugt, hat also 75 kW Bemessungsleistung, unabhängig davon, wie groß das BHKW installiert ist.
Für Gülle-Kleinanlagen gilt nach § 44 EEG ein anzulegender Wert von 22 ct/kWh bis 75 kW und 19 ct/kWh bis 150 kW Bemessungsleistung. Durch die jährliche Absenkung um 0,5 Prozent nach § 44a EEG liegen die Werte bei Inbetriebnahme ab dem 1. Juli 2026 rechnerisch bei rund 21,67 und 18,72 ct/kWh. Wer die Einspeisevergütung statt der Direktvermarktung nutzt, erhält 0,2 ct/kWh weniger.
Oberhalb von 75 kW wird anteilig gerechnet. Bei 100 kW Bemessungsleistung ergibt sich zum Beispiel ein Mischwert von rund 20,93 ct/kWh (drei Viertel zu 21,67 ct, ein Viertel zu 18,72 ct). Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber zur Gülle-Kleinanlage.
Auch die Vermarktungsform beeinflusst das Ergebnis. Bis 100 kW installierter Leistung können Sie die Einspeisevergütung wählen: Der Netzbetreiber zahlt den Wert abzüglich 0,2 ct/kWh direkt an Sie. Darüber ist die Direktvermarktung Pflicht. Ein Direktvermarkter verkauft den Strom an der Börse, die Marktprämie gleicht die Differenz zum anzulegenden Wert aus, und der Direktvermarkter erhält dafür ein Entgelt. Außerdem muss die Anlage fernsteuerbar sein. Viele Gülle-Kleinanlagen bleiben deshalb mit der installierten Leistung knapp unter 100 kW.
Strom, den Sie selbst verbrauchen, erhält keine EEG-Vergütung, ersetzt aber teuren Netzbezug. Ob sich Eigenverbrauch lohnt, hängt von Ihrem Strompreis, dem Lastgang des Betriebs und dem Messkonzept ab, das Sie mit dem Netzbetreiber abstimmen.
Erlöse und Nutzen aus Wärme
Ein BHKW erzeugt neben Strom etwa ebenso viel oder etwas mehr Wärme. Ein Teil davon heizt den Fermenter, im Winter deutlich mehr als im Sommer. Der verbleibende Teil hat nur dann einen Wert, wenn Sie ihn nutzen:
- Wohnhaus und Altenteil: ersetzt Heizöl, Gas oder Pellets
- Stall, Melkhaus, Kälber- oder Ferkelbereich: ersetzt Strom oder fossile Brennstoffe
- Trocknung von Getreide, Holz oder Hackschnitzeln
- Verkauf an Nachbarn über ein kleines Wärmenetz
Bewerten Sie selbst genutzte Wärme mit den vermiedenen Brennstoffkosten, verkaufte Wärme mit dem vereinbarten Preis abzüglich Netzverlusten. Wie Sie Wärme sinnvoll einbinden, beschreibt der Ratgeber zur Wärmenutzung.
Kosten: Kapital, Betrieb und Arbeit
Die Investitionskosten einer Gülle-Kleinanlage umfassen Fermenter, Gasspeicher, BHKW, Pump- und Rührtechnik, Steuerung, Netzanschluss, Planung, Genehmigung und gegebenenfalls ein neues Gärrestlager. Wie sich diese Posten zusammensetzen, erklärt der Ratgeber zu den Kosten einer Biogasanlage.
Die laufenden Kosten lassen sich in fünf Gruppen gliedern:
- Kapitaldienst: Zins und Tilgung, meist über die 20-jährige EEG-Laufzeit gerechnet.
- Wartung und Instandhaltung: vor allem das BHKW mit Ölwechseln, Zündkerzen und Generalüberholung, dazu Pumpen, Rührwerke und Gasspeicher.
- Eigenstrom: Rührwerke, Pumpen, Feststoffeintrag und Steuerung brauchen Strom, der entweder zugekauft oder von der eigenen Erzeugung abgezogen wird.
- Arbeitszeit: tägliche Kontrolle, Betriebstagebuch, Störungsbeseitigung und Gärrestausbringung.
- Sonstiges: Versicherung, Prüfungen durch Sachverständige, Umweltgutachter, Messstellenbetrieb, Buchführung und bei Direktvermarktung das Entgelt des Direktvermarkters.
Die Gülle selbst kostet in der Regel nichts, wenn sie aus dem eigenen Stall kommt. Werden weitere Substrate wie Mist oder Futterreste eingesetzt, müssen deren Kosten und Transport in die Rechnung.
Vergessen Sie außerdem Rücklagen für größere Reparaturen nicht. Ein BHKW-Motor braucht nach einigen zehntausend Betriebsstunden eine Generalüberholung oder einen Austausch, und Rührwerke, Pumpen und Gasspeicherfolien haben eine kürzere Lebensdauer als Behälter und Gebäude. Verteilen Sie diese Kosten in der Rechnung gleichmäßig über die Jahre, statt sie erst im Schadensfall zu berücksichtigen. Für die Liquidität im ersten Betriebsjahr ist wichtig, dass die Anlage nach dem Anfahren einige Wochen bis Monate braucht, bis die Biologie stabil läuft und die volle Gasproduktion erreicht ist.
Güllelagerung und Gärrestlager
Die Vergärung verringert die Güllemenge kaum. Sie brauchen also weiterhin Lagerraum für die Sperrfristen der Düngeverordnung, in der Regel mindestens sechs Monate. Wird ein neues Gärrestlager gebaut, verlangt das EEG grundsätzlich eine technisch gasdichte Abdeckung und eine Mindestverweilzeit im gasdichten System. Anlagen, die ausschließlich Gülle einsetzen, sind von dieser Pflicht ausgenommen.
Prüfen Sie, ob vorhandene Güllebehälter weiter genutzt werden können und ob die Abdeckung eines Lagers den Gasertrag erhöht. Frisch vergorene Gülle hat zudem andere Eigenschaften bei der Ausbringung, siehe Ratgeber zur Gärrestdüngung.
Beispielrechnung und Sensitivitäten
Die folgende Rechnung zeigt eine Gülle-Kleinanlage mit 75 kW Bemessungsleistung, Einspeisevergütung und Inbetriebnahme im zweiten Halbjahr 2026. Alle Kostenwerte sind Annahmen zur Veranschaulichung, keine Marktpreise:
| Position | Annahme | Euro pro Jahr |
|---|---|---|
| Stromerlös | 657.000 kWh zu 21,47 ct | 141.060 |
| Wärmenutzung | 150.000 kWh zu 5 ct vermiedene Kosten | 7.500 |
| Kapitaldienst | 900.000 Euro, 20 Jahre, 4 Prozent | 66.220 |
| Wartung und Instandhaltung | 3 ct je erzeugter kWh | 19.710 |
| Eigenstrom | 8 Prozent der Erzeugung zu 25 ct | 13.140 |
| Arbeitszeit | 1,5 Stunden täglich zu 25 Euro | 13.690 |
| Sonstiges | Versicherung, Prüfungen, Verwaltung | 8.000 |
| Überschuss | rund 27.800 |
Wie empfindlich dieses Ergebnis ist, zeigt eine einfache Sensitivitätsbetrachtung, bei der jeweils nur ein Wert verändert wird:
| Änderung | Wirkung auf den Überschuss |
|---|---|
| 10 Prozent weniger Strom | rund 14.100 Euro weniger |
| 20 Prozent höhere Investition | rund 13.200 Euro weniger |
| 6 statt 4 Prozent Zins | rund 12.200 Euro weniger |
| 1 ct/kWh mehr Wartung | rund 6.600 Euro weniger |
| 100.000 kWh mehr genutzte Wärme zu 5 ct | rund 5.000 Euro mehr |
Die größten Hebel sind also die Auslastung und die Baukosten. Eine Anlage, die wegen zu wenig oder zu dünner Gülle nur 65 statt 75 kW Bemessungsleistung erreicht, verliert einen großen Teil ihres Überschusses. Rechnen Sie deshalb mit einer vorsichtig geschätzten Güllemenge und lassen Sie den Gasertrag nicht nur aus Tabellenwerten ableiten.
So gehen Sie bei der Prüfung vor
Erfassen Sie zuerst die tatsächlich anfallende Güllemenge über ein Jahr, getrennt nach Tierart, und klären Sie, wie sich der Tierbestand in den nächsten 20 Jahren entwickeln soll. Danach lohnt ein erster Durchlauf im Biogas-Rechner. Fallen die Ergebnisse auch im ungünstigen Fall positiv aus, holen Sie Angebote mit vergleichbarem Leistungsumfang ein und lassen Sie eine Wirtschaftlichkeitsberechnung von unabhängiger Seite prüfen. Passende Fachleute finden Sie im Verzeichnis unter Planung und Ingenieurbüros.
Beziehen Sie außerdem früh Ihre Steuerberatung ein. Die Beispielrechnung oben ist eine Rechnung vor Steuern. Ob die Anlage zum landwirtschaftlichen Betrieb gehört oder als eigener Gewerbebetrieb geführt wird, welche Rechtsform sinnvoll ist und wie Abschreibungen verteilt werden, beeinflusst das Ergebnis nach Steuern und die Liquidität in den ersten Jahren.
Häufige Fragen
Ab welcher Herdengröße lohnt sich eine Gülle-Kleinanlage?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Entscheidend ist die verfügbare Güllemenge und deren Gasertrag, der von Tierart, Fütterung und Trockensubstanzgehalt abhängt. Eine Anlage mit 75 kW Bemessungsleistung braucht je nach Güllequalität mehrere tausend Tonnen Gülle im Jahr. Lassen Sie den Gasertrag Ihrer Gülle von einem Fachplaner abschätzen.
Wie hoch sind die Stromerlöse einer 75-kW-Anlage?
Bei 75 kW Bemessungsleistung erzeugt die Anlage 657.000 kWh im Jahr. Mit einem anzulegenden Wert von rund 21,67 ct/kWh bei Inbetriebnahme ab Juli 2026 und dem Abzug von 0,2 ct/kWh bei Einspeisevergütung ergibt das rund 141.000 Euro im Jahr.
Lohnt sich Eigenverbrauch des Biogasstroms?
Selbst verbrauchter Strom erhält keine EEG-Vergütung, spart aber den Strombezug. Er lohnt sich, wenn Ihr Bezugspreis über dem anzulegenden Wert liegt und die Messkonzepte das zulassen. Klären Sie das Messkonzept früh mit dem Netzbetreiber.
Welche Rolle spielt die Wärme für die Wirtschaftlichkeit?
Bei kleinen Anlagen ist die Wärme meist ein Zusatznutzen. Ein Teil wird für die Fermenterheizung gebraucht, der Rest kann Wohnhaus, Stall oder Nachbarn versorgen. Jede genutzte Kilowattstunde ersetzt Heizöl, Gas oder Holz und verbessert das Ergebnis spürbar.
Wie viel Strom und Erlös bringt Ihr Tierbestand? Rechnen Sie es mit offenen Annahmen durch.
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